Eine verstärkte Getrennterfassung und Konservierung (Silierung) von krautigem Grüngut zur Verwertung in Bioabfallvergärungsanlagen kann den typischen Jahresgang dieser Anlagen mit einer unzureichenden Auslastung in den Wintermonaten teilweise ausgleichen.
Die Betrachtung der bundesweiten Potenziale zeigen, dass rund die Hälfte des krautigen Grünguts noch nicht über bestehende Sammelsysteme erfasst wird und damit prinzipiell für eine energetische Verwertung mobilisiert werden kann.
Die Projektergebnisse aus Praxisversuchen und Modellrechnungen zeigen, dass diese Verwertung generell ökonomische und ökologische Vorteile gegenüber einer reinen Grüngutkompostierung bieten kann.
Dafür ist eine Erfassung im Bringsystem, die kaum zusätzliche Kosten verursacht, notwendig.
Für die Silierung des Grünguts weisen sowohl Fahrsilo als auch Ballensilage Vor- und Nachteile auf, wobei bei einer ausreichenden Flächenverfügbarkeit das Fahrsilo v. a. unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzuziehen ist.
Für eine praktische Umsetzung der Mitbehandlung von silierten Grüngutmengen in der Biogutvergärung ist standortindividuell Folgendes zu ermitteln:
- Potenzialanalyse durch Auswertung der Unterauslastung der Vergärungsanlage in den anlieferungsschwachen Monaten im Winter
- Bewertung der möglichen separaten Erfassung von krautigem Grüngut bzw. Rasenschnitt
- Bewertung der möglichen Freiflächen für die Silagelagerung über mehrere Monate
- Entscheidung zur Silierungstechnik anhand des Mengenpotenzials, der Flächenverfügbarkeit und des möglichen Maschineneinsatzes
- Wirtschaftlichkeitsberechnung mit der Abwägung des Aufwands sowie der zusätzlichen Energie- und Produkterlöse gegenüber den Kosten einer alternativen Grüngutverwertung
Kernbotschaften:
1. Der übliche Jahresgang von Bioabfallvergärungsanlagen mit einer Minderauslastung in den Wintermonaten kann durch krautiges Grüngut teilweise ausgeglichen werden.
2. Rund die Hälfte des krautigen Grünguts wird noch nicht über bestehende Sammelsysteme erfasst und kann prinzipiell für eine energetische Verwertung mobilisiert werden.
3. Die separate Erfassung von krautigem Grüngut sollte nur geringe zusätzliche Kosten verursachen, daher sind Bringsysteme zu nutzen.
4. Um das krautige Grüngut im Winter als Gärsubstrat einsetzen zu können muss es konserviert werden, vorzugsweise in einem Fahrsilo.
5. Die Mitvergärung von siliertem krautigem Grüngut kann generell sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile gegenüber einer reinen Kompostierung bieten.
6. Für eine praktische Umsetzung des Einsatzes von krautigem Grüngut in der Bioabfallvergärung müssen immer standortindividuelle Entscheidungen getroffen werden.
Weitere Publikationen:
- Kern M, Raussen T (Hrsg.) (2022): Steigende Wertschätzung für die Produkte der Bioabfallwirtschaft. Witzenhausen. In: Witzenhausen-Institut. Neues aus Forschung und Praxis, 122-142.