Die Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) erweitert den Geltungsbereich für Nachhaltigkeitskriterien und Kriterien für THG-Einsparungen u.a. auf Energie aus Biogas und Biomethan. Der Nachweis der THG-Einsparung erfolgt im Kontext von anerkannten Zertifizierungssystemen und kann durch Standardwerte oder individuelle THG-Bilanzen erfolgen.
Für den Bereich Biogas und Biomethan sind sehr wenige Standardwerte (für die Rohstoffe Gülle/Mist, Mais, Bioabfall) verfügbar, gleichzeitig sind THG-Bilanzen v.a. aufgrund der Vielzahl eingesetzter Substrate vergleichsweise komplex. Zur Unterstützung der Implementierung der Anforderungen aus der RED II wurde im ZertGas Vorhaben eine Methodik zur individuellen THG-Berechnung entwickelt, die die Vorgaben aus der RED II ergänzt und zur Nutzung in der Praxis vorgesehen ist. Eine Validierung fand auf Basis von Praxisrechnung an 10 verschiedenen Anlagen statt.
Durch die Praxisrechnungen konnten als wesentlichen Einflussfaktoren auf die THG-Intensität die Gärrestlagerung, die Stickstoffdüngung sowie den Verbrauch von fossilem Diesel identifiziert werden. Neben der unzureichenden Verfügbarkeit von Standardwerten, ist auch die Verfügbarkeit von Rechenwerten, Emissionsfaktoren, NUTS2 Werte etc. gering und verfügbare und empfohlene tools sind aktuell nicht auf den neue Geltungsbereich der RED II angepasst. Dies erschwert die individuelle THG-Bilanzierung.
Die validierte Methodik wurde in einen Leitfaden überführt, der frei verfügbar ist und sich v.a. an Wirtschaftsbeteiligte, Stakeholder der Zertifizierung (Zertifizierungssysteme, Zertifizierungsstellen, Auditoren) und politische Entscheidungsträger als Zielgruppen richtet. Der Leitfaden gibt Informationen für die praktische Implementierung der RED II und veranschaulicht die Berechnungsmethodik schrittweise und anhand von Beispielen.
Kernbotschaften:
1. Die individuelle THG-Bilanzierung im Bereich Biogas- und Biomethan ist vergleichsweise komplex und aufwändig, insbesondere aufgrund der Vielzahl eingesetzter Substrate. Zusätzliche Standardwerte zum Nachweis der THG-Einsparung würden die Implementierung der Anforderungen der RED II erleichtern
2.Auf der Stufe der landwirtschaftlichen Erzeugung bestehen die größten Schwierigkeiten, v.a. weil größere Mengen an Daten erhoben werden müssen.
3. Die nach dem Entwurf der Durchführungsverordnung anzuwendende Methode der Berechnung der Lachgasemissionen ist aufgrund der Komplexität nicht praktikabel.
4. Verfügbare Tools, Emissionsfaktoren, Standardrechenwerte usw. sind nicht auf den neuen Geltungsbereich der RED II angepasst. Überarbeitungen sind notwendig um den Bedürfnissen des Biogas- und Biomethanmarkts Rechnung zu tragen